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Zur Entspannung eine Geschichte

Beelitz, den 20.11.2015

Es ist mucksmäuschenstill in den Fluren der Grundschule Fichtenwalde, aus den Klassenräumen dringt kaum ein Laut. Lediglich einzelne Stimmen sind zu hören, wie sie in wechselnden Tonlagen und Geschwindigkeiten Geschichten lesen. Lucy sitzt im Raum der 3b auf einem Stuhl am Rande eines Teppichs, umringt von zum Teil liegenden Kindern, und präsentiert eines ihrer Lieblingsbücher: „Das Weihnachtsfest im Winterwald“.

 

Es geht um die kleine Kirchenmaus Ella, die mit ihren Freunden – Fuchs, Hase und Bär – erkundet, wie Weihnachten bei den Menschen aussieht. Mit ruhigem Timbre trägt die Sechstklässlerin vor und schlägt die kleinen Zuhörer in den Bann ihrer Geschichte. Verträumt gehen die Blicke an die Decke, aus dem Fenster oder ruhen auf den Lippen von Lucy.

 

Insgesamt 34 Vorleser haben in der Grundschule und der benachbarten Kita zum heutigen Vorlesetag Bücher vorgestellt. Dafür wurden kleine Gruppen gebildet, jede in einem anderen Raum. Die Vortragenden – größtenteils ältere Schüler, aber auch Erwachsene aus dem Ort, waren im Wechsel mal hier und mal da im Einsatz, damit es nicht langweilig wurde. „Durch solche Aktionen animieren wir die Kinder, selbst zu lesen“, sagt Lehrerin Elke Strich, die die Aktion an der Grundschule organisiert hat. Bundesweit waren an diesem Tag rund 110 000 Vorleser unterwegs – Politiker, Schauspieler, Sportler, aber eben auch Menschen von nebenan und aus allen Altersgruppen.

 

Der Vorlesetag wird seit zwölf Jahren immer am dritten Freitag im November an Kitas, Schulen sowie in Bibliotheken und Büchereien, aber auch unkonventionelleren Orten durchgeführt. Initiiert worden ist er von der Stiftung Lesen mit dem Ziel, Kinder wieder näher an das Buch heranzuführen. Die Stiftung hat zudem jetzt gerade die Ergebnisse ihrer jährlichen Vorlesestudie präsentiert: Anhand der Befragung von Eltern und Kindern wurde ermittelt, dass regelmäßiges Vorlesen das soziale Verhalten des Nachwuchses positiv prägt. Dazu gehören unter anderem ein stärkeres Selbstbewusstsein und ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn. Zudem würden Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, allgemein als fröhlicher wahrgenommen.

 

Das findet auch Lehrerin Elke Strich: „Zuhause muss vorgelesen werden – das ist gut für die Kinder, fördert aber auch den Zusammenhalt in der Familie.“ Sie selbst setze auch im Unterricht gern auf diese Wirkung: Der große Teppich wird immer wieder mal ausgerollt, dann gibt es am Ende der letzten Stunde eine Geschichte. „Die Kinder gehen danach viel ruhiger nach Hause.“ Und manchmal werde auch das Interesse für eine Geschichte geweckt, an die sich die Kinder von sich aus noch gar nicht herangetraut hätten.

 

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